Dienstag, Oktober 19, 2021
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CSD Working Group on DLT erarbeitet Wahlsystem mit Blockchain-Technologie

Im November bildeten Vertreter verschiedener Zentralverwahrer für Wertpapiere eine internationale Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Wahlsystems über Blockchain-Technologie. Die Central Security Depository, kurz CSD genannt, bildete die „CSD Working Group on DLT“ mit dem klaren Ziel, mittels Distributed Ledger Technology, kurz DLT genannt, ein neues Blockchain-System für Shareholder-Wahlen zu entwickeln und zu erproben.

Wer verbirgt sich hinter der CSD Working Group?

Die Arbeitsgruppe besteht aus hochkarätigen Vertretern und Experten von verschiedenen Zentralverwahrern für Wertpapiere, die auch als Wertpapiersammelbanken bezeichnet werden. Zentralverwahrer unterhalten zentrale Wertpapierdepots für börsennotierte Wertpapiere. Diese Funktion wird für den gesamten Finanzmarkt einer Region wahrgenommen, damit die Wertpapiere nicht nach jedem Besitzerwechsel physisch von einer Bank zu Anderen transportiert werden müssen. Damit sind die Zentralverwahrer in die unternehmensübergreifenden Transaktionen der Wertpapiere fest eingebunden. Wenn ein Wertpapier an der Börse erworben oder veräußert wird, tritt danach ein Zentralverwahrer in Aktion. Die Börse übermittelt die Werte und Daten der alten und neuen Besitzer an den Zentralverwahrer, den die Umschreibung in Echtzeit vornimmt, damit die Eigentümerrechte gewahrt werden können. Derzeit sind weltweit 32 derartige Institutionen aktiv.

Sechs dieser Zentralverwalter haben die „CSD Working Group on DLT“ gebildet.

  • NSD, Russland
  • Strate, Südafrika
  • SIX, Schweiz
  • Nasdaq, Noredamerika
  • DCV, Chile
  • Caja de Valores, Argentinien

Die Tragik des gegenwärtigen Wahlsystems

Wenn ein börsennotiertes Unternehmen seine Jahreshauptversammlung durchführt, hat jeder Inhaber eines Wertpapiers, meist Aktie genannt, fest zugeordnete Stimmrechte. Zur Wahrung dieser Stimmrechte gibt es komplizierte Regeln, die in entsprechenden Dokumenten festgelegt sind. Nun können die Aktien einer einzigen Firma bei verschiedenen Depotbanken, den Zentralverwahrern, liegen. An diesen Depots sind dann wiederum zahlreiche Banken oder andere Verwalter beteiligt, die nun ihren Kunden, den Inhabern der Wertpapiere, verpflichtet sind, die Wahldokumente oder Vertretungsvollmachten zu übermitteln.Es wird noch verrückter, wenn ein Bankkunde über verschiedene Banken oder mehrere Börsen Wertpapiere der gleichen Aktiengesellschaft gekauft hat. Der Verwaltungsaufwand ist also extrem kompliziert und kann Komplikationen bei den Abstimmungen führen. Richtig kompliziert wird es, wenn für wichtige Entscheidungen keine notwendige Mehrheit entstehen und dann ein Konsens gefunden werden muss, um überhaupt eine Entscheidung zu finden. Wenn jetzt ein Vertreter auf der Hauptversammlung verschiedene Aktionäre vertritt, die unterschiedliche Weisungen zum Abstimmverhalten erteilt haben, ist es nicht immer einfach, die Übersicht zu behalten. Derartige Prozesse werden in Regel auch beherrscht, aber der Aufwand ist enorm hoch und wird definitiv weiter steigen, weil die Verflechtungen auf dem internationalen Kapitalmarkt immer komplizierter werden.

Optimierung des Wahlsystems durch DLT

Die „CSD Working Group on DLT“ hat sich nun die Bewältigung der anstehenden Probleme auf die Fahne schrieben. Mit der Blockchaintechnologie soll nun ein neuer technischer Rahmen geschaffen werden, um ein Wahlsystem über Proxyserver zu entwickeln. Damit sollen die Shareholderversammlungen künftig prozessoptimiert werden und deutliche effektiver arbeiten, als die bisherigen Methoden. Vertreter der Arbeitsgruppe sprachen sich deutlich für den künftigen Einsatz der DLT aus, um damit neue Wege bei der Kommunikation zu ermöglichen, die für alle Beteiligten überschaubarer und einfacher sind, als bisherige Verfahrenstechnologien. Das neue Wahlsystem soll über spezielle Token realisiert werden, die vermutlich an Smartcontracts gebunden sind. Dabei wird die aufwendige Identifizierung sowie die erforderliche Kommunikation, vom neuen Wahlsystem mittels Blockchaintechnologie übernommen. Die Teilnehmer der Arbeitsgruppe wollen sich ferner an der ISO 20022 orientieren, um breite Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln. Damit sollen weitere internationale Institutionen zur Mitarbeit animiert werden. Wenn diese Philosophie Erfolg hat, wird eine Zusammenarbeit auf den globalen Finanzmärkten deutlich vereinfacht. Vielleicht wird das neue Blockchain-Wahlsystem ja eines Tages die Briefwahl zum Bundestag ersetzen, Volksabstimmungen oder Direktwahlen ermöglichen?

Sandocan
Dieser Autor ist seit 2017 als freiberuflicher Publizist für unser Magazin als Redakteur für Digitale Währungen, Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik tätig. "Bitcoin im Einklang mit der Gesellschaft" ist seine Philosophie.
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