Sonntag, August 7, 2022
StartBitcoinWas macht der Coinmixer in der Krypto-Küche?

Was macht der Coinmixer in der Krypto-Küche?

Richtig ist, dass es einen Bitcoin-Mixer gibt, aber natürlich nicht für die Küche, sonder, einen Service, der einige Fragen aufwirft. Dieser Coinmixer dient der Anonymisierung von Bitcoin-Überweisungen, das heißt, dass ein Nachweis über den Zahlungsweg vollkommen verschleiert werden soll, um jeglicher Kontrolle auszuweichen. Bisher hat dieses Thema kaum jemanden interessiert. Doch mit dem zunehmenden Vorstoß der Kryptowährungen in das Finanzgeschehen könnte der Bitcoin-Mixer ein äußerst brisantes Thema werden.

Was ist Bitcoin-Mixing aus technischer Sicht?

Finanztransaktionen werden über die Bitcoin-Blockchain verkettet und bleiben dort öffentlich sichtbar und sind somit auch nachweisbar und leicht zu kontrollieren. Ursprungsadressen und Zieladressen der Transaktionen sind und bleiben öffentlich erkennbar. Die Betreiber der Bitcoin-Mixer vertreten die Auffassung, das, damit die Privatsphäre verletzt wird, und bieten seit 2015 einen Service an, dies zu verhindern. Dabei wird die Zahlungskette zwischen der Ursprungsadresse und der Zieladresse im Bitcoin-Mixer unterbrochen. Die echte Zahlung wird in diesem Coinmixer über einen Pool an verschiedene andere Teilnehmer gesendet. Diese Teilnehmer wiederum senden ihre Beträge auch über den Pool an ganz andere Teilnehmer. In diesem Prozess erfolgt, nach Angaben der Betreiber, durch Randomisierung und Zeitverzögerung ein totales Mixen der Geldbeträge, Ursprungsadressen und Zieladressen. Die ursprüngliche Zahlung kommt also am Zielort gar nicht an, sondern verschwindet im Pool vom Bitcoin-Mixer. Auf diese Weise soll der Geldfluss nicht mehr nachweisbar sein. Ob das alles technisch perfekt und sicher ist, soll hier offenbleiben.

Wie funktioniert der Bitcoin-Mixer-Service kommerziell?

Der Anbieter hält in seinem Pool bereits vorgemixte Bitcoins bereit. Kunden geben ihre Zieladresse an, wo der Betrag landen soll. Die Transaktion wird damit aktiviert, dass Betrag gleichzeitig in den Pool eingezahlt wird. Dabei ist peinlich darauf zu achten, dass zum Betrag die verlangte Servicegebühr und Netzwerkgebühr hinzugerechnet werden muss, da das System sonst nicht aktiv wird. Die Servicegebühren liegen derzeit zwischen einem und drei Prozent des Überweisungsbetrages zuzüglich 0.0018 BTC pro Auftrag zur Deckung der Netzwerkgebühren. Auch der Zugriff über TOR wird angeboten. Über die FAQ des Anbieters werden dazu konkrete Hinweise gegeben. Dort sind auch Anleitungen zu finden, wie mit dem „Letter of Guarantee“ umzugehen ist. Für Nutzer von Ubuntu ist auch das erforderliche Shell-Komando hinterlegt. Für eventuelle Probleme sind Kontaktmöglichkeiten angezeigt.

Ist Bitcoin-Mixing eine Bitcoin-Wäsche?

Die einen sagen, dass der Zahlungsverkehr total anonymisiert werden sollte, um jegliche Kontrolle durch den Staat oder die Banken auszuschließen. So sollte der gesamte Zahlungsverkehr jeglicher Kontrolle entzogen werden. Das alles sei Bestandteil der persönlichen Freiheit und verhindert wirksam den „gläsernen Menschen“. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Philosophie nicht. Jedoch ist Bitcoin-Mixing ganz klar eine sogenannte Geldwäsche und bietet Kriminellen und Steuerhinterziehern ein offenes Tor, sagen die anderen. Dieses Thema kann keinesfalls dual mit „richtig“ oder „falsch“ beantwortet werden. Das würde eine Gleichsetzung des ehrlichen Steuerzahlers, der seine Erklärung wahrheitsgemäß abgibt, mit kriminellen Elementen bedeuten. Mit der zunehmenden Bedeutung der Kryptowährungen wird auch das Bitcoin-Mixing in den Fokus der Gesetzeshüter rücken. Manchmal entsteht der Eindruck, dass der technische Fortschritt Probleme bringen wird, von denen die Verantwortlichen noch gar nichts ahnen.

PRO und KONTRA des Bincoin-Mixers

Für die Nutzung des Coinmixers sollte grundsätzlich zwischen privater und gewerblicher Nutzung unterschieden werden. Eine Privatperson, die zu keiner Steuerklärung verpflichtet ist, kann diesen Service durchaus nutzen, da sie ja ihren Zahlungsverkehr nicht offenlegen muss. Das Bankgeheimnis ist in diesem Fall nicht so „gläsern“ wie bei den herkömmlichen Banken. Jedoch sollte sich jeder Anwender im Klaren sein, das Behörden von einem möglichen Gesetzesverstoß ausgehen können. Was nun wichtiger ist, bleibt eine individuelle Entscheidung und wird hier in keiner Richtung empfohlen.

Anders ist die Sache bei Gewerbetreibenden zu sehen. Die Steuererklärung ist zwar nur eine Erklärung, die zunächst nicht generell nachzuweisen ist. Aber diese Erklärung kann in bestimmten Fällen vom Finanzamt oder anderen berechtigten Behörden nachgeprüft werden. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Wenn eine Finanztransaktion nicht nachgewiesen werden kann, dann darf sie vom Finanzamt geschätzt werden. Das geht in der Regel nicht gut für die Betroffenen aus. Bei Kleingewerbetreibenden oder Freiberuflern, die von der Buchführung befreit sind, mag das anders laufen.

Auf jeden Fall liegt das Thema dieses Artikels in der „Grauzone“ und hat nur informellen Charakter ohne jegliche Gewähr. Vor der Nutzung ist die Beratung bei einem Rechtsanwalt oder Steuerberater zu empfehlen. Das gilt ganz besonders für Gewerbetreibende.

Sandocan
Dieser Autor ist seit 2017 als freiberuflicher Publizist für unser Magazin als Redakteur für Digitale Währungen, Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik tätig. "Bitcoin im Einklang mit der Gesellschaft" ist seine Philosophie.
RELATED ARTICLES

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Most Popular

Recent Comments